NPD scheitert in Weinheim!

Nachdem die NPD am 20. und 21. April ihren Bundesparteitag im „Schwarzen Ochsen“ in Sulzbach- Weinheim abgehalten hatte, kam es nach zahlreichen Zwischenveranstaltungen, zu dem erneuten Versuch der NPD in Weinheim Fuß zu fassen. Selbstverständlich wieder mit der Unterstützung des „schwarzen Ochsen“.
Dieses Mal jedoch zeigten die BürgerInnen aus Sulzbach und Umgebung, dass sie rechtes Gedankengut nicht tolerieren.

Als Gegenveranstaltung zu den braunen Hetztiraden der NPD, sollte ein Infoabend und eine Kundgebung abgehalten werden. Soweit so gut.

Der Besitzer des „schwarzen Ochsen“ bekam es jedoch mit der Angst zu tun und sagte der sonst so gerne gesehenen NPD kurzerhand ab. Was nun erst einmal positiv klingt, weil mensch ja denken könnte er habe die Schnauze voll von Nazis, hat allerdings nur den Hintergrund, dass der ehemalige Nazibeherberger Angst um sein Lokal hat. Vorausgegangen waren mehrere direkte, antifaschistische Interventionen und ein enormer öffentlicher Druck. So wurde der „schwarze Ochsen“ durch mehrere Farbbomben markiert und mit einigen Graffiti als Nazilokal kenntlich gemacht. Nur durch solche Aktionen konnte erkämpft werden, dass VeranstalterInnen ihre Räumlichkeiten keinen Nazis mehr zur Verfügung stellen.

Zurück zum Tag selbst. Auf Grund der Absage an die NPD, hielten es die AnmelderInnen auch für unnötig eine Kundgebung abzuhalten. Es seien ja dann keine Nazis vor Ort. Dass sich das als bitterer Trugschluss enttarnen würde, mussten sie an diesem Abend noch feststellen.
Die Informationsveranstaltung war gut besucht, der Raum war voll und die Stimmung anfangs recht gut. Doch wie so oft parkten plötzlich 2 Mannschaftsbusse und eine Streife der Spaßbremsen in Blau-Weiß im Hof. Nach der Erkundung der Räumlichkeiten setzten sich 2 von ihnen in die letzte Reihe des Saals. Nicht das die Anwesenheit der Ordnungshüter -nicht erst seit der NSU auf dem rechten Auge blind- schon genug gestört hätte, zu allem Überfluss klingelte dann auch noch das Handy des einen. Zum Glück gab es inhaltlich nicht viel zu verpassen. Die Referentinnen von SPD und Grüne, die uns anfangs erklärten, es würde sich um eine reine Schutzmaßnahme handeln, ließen sich davon auch nicht weiter stören. Sie gingen weiter auf in einer Selbstbeweiräucherung und lobten lediglich das Gründen einer Initiative gegen Nazis. Inhaltliche Themen blieben leider aus und auch über die regionalen Strukturen wurde nichts erzählt. Wäre das alles nicht schon stimmungssprengend genug gewesen, tauchte dann auch noch eine Person auf, die offensichtlich mit rechtem Gedankengut sympatisierte. Die Stimmung wurde zunehmend aggressiver, als dann plötzlich bekannt wurde, dass sich doch Nazis im besagtem „schwarzen Ochsen“ aufhalten.

Spontan formierte sich dann doch ein kleiner Kundgebungszug, der glücklicherweise auch noch ein Transparent dabei hatte. Die Spontandemonstration zur Kneipe verließ lautstark und ohne größere Störungen. Am „schwarzen Ochsen“ angekommen, wurden die TeilnehmerInnen allerdings direkt mit erhobenen Mittelfingern aus dem Lokalinnenhof heraus empfangen.
Die nachrückenden Teilweise überforderten PolizistInnen bildeten eine sporadische Kette vor dem vermeintlich braunen Etablisement. Die „Gäste“ der Räumlichkeiten verzogen sich verdächtig schnell in das Innere des Gebäudes. Auch war es plötzlich mit der Sulzbacher Gastfreundschaft vorbei. Das Lokal wurde direkt verschlossen. Mit samt seinen Gästen. Trotz Regen, Sturm und Gewitter blieben die AntifaschistInnen vor der Räumlichkeit standhaft und ließen sich auch von polizeilicher Verstärkung und Platzverweisen nicht vertreiben. Nach langem Hin und Her durfte sich ein Kundgebungsteilnehmer dann doch den „schwarzen Ochsen“ von innen Ansehen. Es war ihm gestattet den Vorraum(!) in Augenschein zu nehmen. Dies sollte der Beweis sein, dass die zuvor gesehenen Nazis eine Fata Morgana war. Natürlich war inzwischen genug Zeit vergangen, um alle Nazis in einen Hinterraum oder einen Privatraum zu schaffen. Zumindest wäre dies möglich gewesen. Mit einer unglaublichen Rhetorik versicherte uns der Besitzer des braunen Lochs dann auch noch, dass er seit sage und schreibe 2(!) Tagen entnazifiziert sei. Dass dies eine seiner vielen Lügen bezüglich seiner Kameraden ist, kann angenommen werden. Und selbst wenn er entnazifiziert worden wäre, zeigen über 180 Morde seit dem Fall der Mauer, dass dies keine Garantie für eine nazifreie Zukunft ist, wo es doch zur Staatsgründung der BRD hieß Deutschland sei nun Nazifrei. Das bewies sich auch, als nach den Beteuerung des Wirts, laut Augenzeugenberichten, doch noch einmal Personen des rechten Spektrums an den Fenstern gesehen wurden. So weit so schlecht.
Es regnet und wird kalt, reaktionäre Kräfte bequatschen einen mit Stumpfsinn und die vorher lautstarke Stimmung flachte immer mehr ab. Höchste Zeit sich aus dem Staub zu machen. Angesichts der Lage und dem plötzlichen Verschwinden von immer mehr TeilnehmerInnen aus dem bürgerlichen Lager blieb uns auch keine andere Wahl. Die Kundgebung wurde für beendet erklärt.
Allerdings mit dem Beilaut, dass es auf keinen Fall die letzte Aktion war. Als sich dann auch wirklich alle VertreterInnen von Parteien ins Trockene verabschiedet hatten, zeigte die Polizei auch wieder, durch welche Prioritätensetzung es zu mindestens 10 Morden durch den NSU in Deutschland kommen konnte. Statt den Nazisichtungen auf den Grund zu gehen, versuchten sie lieber einige der noch anwesenden AntifaschistInnen zu kontrollieren und deren Personalien aufzunehmen. Zum Glück konnten die meisten vorher abhauen.

Zum Fazit: Wir begrüßen es natürlich, dass es eine Bündnis gegen Nazis gibt und vorallem auch, dass dieses stetig arbeiten will, allerdings finden wir, ist Antifaschismus mehr. Es darf auf keinen Fall auf einer derart oberflächlichen Weiße mit dem Thema umgegangen werden. Vorträge sollten mit Inhalten statt Selbstlob gefüllt werden. Die Menschen vor Ort haben ein Recht darauf zu erfahren, was wirklich hinter Nazis steckt. Nämlich mehr als saufende, pöbelnde Schulabbrecher wie es das 90er Jahre Klischee gerne vorgibt. Es sind leider gut organisierte und vernetzte Gruppen, die vor kaum etwas zurückschrecken um ihre kranke, menschenverachtende Ideologie auszuleben und zu verbreiten. Auch sollte die Zusammenarbeit mit staatlichen Organen sofort beendet werden. Dass diese einen eher repressiven statt dienlichen Zweck erfüllen, dürfte kein Geheimnis sein.
Im Großen und Ganzen werten wir den Abend allerdings als Erfolg. Um einen konsequenten Antifaschismus in Sulzbach zu praktizieren, gibt es zwar noch einige, unserer Meinung nach verbesserungswürdige Dinge, aber auch wir wissen, dass aller Anfang schwer ist. Dennoch lassen wir uns von staatlichen Organen und Nazis nicht hinters Licht führen und kämpfen gemeinsam weiter. In diesem Sinne:

Gemeinsam gegen Nazis! In Sulzbach und überall!
Für eine Welt ohne Faschismus! Für EINE Welt für alle!
Siempre antifascista!

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